
Allerheiligen, Allerseelen, Tag der Toten: Erinnern auf deine Weise
Allerheiligen und der Tag der Toten erinnern uns daran, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg findet, mit einem Verlust zu leben. Ob still in Gedanken, mit einer Kerze oder mit einem fröhlichen Fest wie in Mexiko: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Manchmal reicht schon ein liebevoller Gedanke an den Menschen, den wir vermissen.
Das Wichtigste in Kürze
- Allerheiligen und der Tag der Toten erinnern uns daran, dass wir auf ganz unterschiedliche Weise mit unseren Verstorbenen verbunden bleiben können.
- Jeder Mensch darf seinen eigenen Weg finden, sich zu erinnern. Es gibt kein Richtig oder Falsch.
- Manchmal reicht schon ein Gedanke an die verstorbene Person. Du musst nichts Besonderes tun.
- Trauer verläuft bei jedem Menschen anders. Auch frühere Verluste können durch einen neuen Todesfall wieder spürbar werden.
- Wenn du dich mit deiner Trauer allein fühlst, darfst du dir Unterstützung suchen und über deine Gefühle sprechen.
An diesem Tag zünden Menschen Kerzen an. Andere gehen arbeiten, kaufen ein, leben ihren Tag. Und manche wissen gar nicht, wohin mit dem, was da ist.
Für Angehörige, die erst vor Kurzem einen geliebten Menschen verloren haben, können Tage wie Allerheiligen oder der Tag der Toten besonders schwierig sein. Der eigene Verlust ist vielleicht noch so frisch, dass kaum Platz für etwas anderes bleibt.
Mit der Zeit darf sich etwas verändern. Die tiefe Aussichtslosigkeit kann langsam der Liebe weichen, die mit der Erinnerung an den verstorbenen Menschen verbunden ist. Vielleicht gelingt es irgendwann, mit einem Lächeln an gemeinsame Erlebnisse zu denken, das Lieblingsessen zuzubereiten oder eine Erinnerung mit anderen zu teilen. So wie in Mexiko, wo Familien den Tag der Toten mit Blumen, Altären und Essen begehen.
Das bedeutet nicht, dass der Verlust irgendwann nicht mehr schmerzt. Liebe und Trauer dürfen nebeneinander bestehen. Du darfst still für dich erinnern oder das Leben feiern, das ihr miteinander geteilt habt. Beides hat seinen Platz.
Allerheiligen, Allerseelen und der Tag der Toten in Mexiko
Allerheiligen ist am 1. November, Allerseelen am 2. November. Das Gedenken an die Verstorbenen gehört kirchlich zu Allerseelen. In der Praxis gehen aber viele Menschen schon an Allerheiligen auf den Friedhof, zünden Kerzen an und schmücken die Gräber.
In Mexiko wird der Día de los Muertos am 1. und 2. November gefeiert. Vielerorts gilt der erste Tag den verstorbenen Kindern, der zweite den Erwachsenen. Die UNESCO hat das Fest 2008 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Jede und jeder begeht diesen Tag anders
Jeder Mensch darf seinen eigenen Weg finden, um an einen geliebten Menschen zu denken. Manche besuchen das Grab, zünden eine Kerze an oder nehmen sich bewusst Zeit für Erinnerungen, während andere den Tag ganz normal im Alltag verbringen und vielleicht erst nebenbei an die verstorbene Person denken.
Es gibt kein Richtig oder Falsch beim Erinnern. Vielleicht möchtest du an diesem Tag etwas tun, das dich mit dem Menschen verbindet, den du verloren hast. Vielleicht hast du andere Dinge im Kopf, gehst arbeiten, kaufst ein oder triffst dich mit Freunden. Auch das darf sein.
Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn aktuell keine Trauer aufkommt. Deine Liebe zu einem verstorbenen Menschen hängt nicht davon ab, wie traurig du an einem bestimmten Tag bist. Du darfst dich erinnern, lachen, deinen Alltag leben und das Leben geniessen, auch wenn dieser Mensch nicht mehr da ist.
Und wenn niemand da ist, mit dem du über die verstorbene Person sprechen kannst?
Deine Erinnerungen dürfen ihren Platz haben, auch wenn du sie ganz allein in dir trägst. Vielleicht gibt es niemanden in deinem Umfeld, der die verstorbene Person kannte, oder du erlebst, dass andere das Thema meiden, sobald du von ihr erzählst. Dann kann es sich einsam anfühlen, mit all den Erinnerungen und Gefühlen allein zu sein.
Du darfst trotzdem von diesem Menschen erzählen, seinen Namen aussprechen und dich an gemeinsame Erlebnisse erinnern. Auch wenn niemand zuhört, kannst du in Gedanken oder laut mit der verstorbenen Person sprechen und ihr sagen, was dich gerade bewegt.
Wenn du allerdings merkst, dass dich diese Einsamkeit auf Dauer belastet oder du dich immer mehr zurückziehst, darfst du dir jemanden suchen, mit dem du über den verlorenen Menschen sprechen kannst. Du musst deine Erinnerungen nicht für dich behalten, nur weil sie andere Menschen vielleicht nicht mit dir teilen können.
Warum viele Menschen über ihre Trauer schweigen und weshalb du dich dafür nicht schämen musst, erfährst du in meinem Blogbeitrag Tabuthema Trauer: Warum du dich nicht schämen musst.
Vier Möglichkeiten, diesen Tag zu gestalten
Du darfst diesen Tag auf deine eigene Weise gestalten, wenn dir danach ist. Vielleicht tut es dir gut, bewusst an den Menschen zu denken, den du verloren hast, und dir einen Moment Zeit für eure Verbindung zu nehmen. Manchmal reicht schon ein Gedanke an die verstorbene Person. Du musst nichts Besonderes tun, damit deine Liebe ihren Platz hat.
Wenn du dir dennoch etwas Zeit für die Erinnerung nehmen möchtest, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Eine Kerze anzünden und dabei an einen schönen gemeinsamen Moment denken.
- Etwas Vertrautes zubereiten, das die verstorbene Person besonders gerne mochte.
- Einen gemeinsamen Ort besuchen, der dich an eure Zeit miteinander erinnert.
- Ein paar Zeilen schreiben, um auszudrücken, was du der verstorbenen Person heute gerne sagen würdest.
Vielleicht passt eine dieser Ideen zu dir, vielleicht hast du längst deinen eigenen Weg gefunden. In meinem Blogpost Trauerrituale: Es gibt kein richtig oder falsch erfährst du mehr darüber, wie Rituale helfen können, Erinnerungen Raum zu geben. Entscheidend ist, dass sich dein Weg für dich stimmig anfühlt.
Wenn der Verlust noch frisch ist
Der Tod ist noch so nah, die vielen Veränderungen sind spürbar und vielleicht hast du manchmal das Gefühl, gar nicht zu wissen, wie es weitergehen soll.
Jede Trauer verläuft anders. Auch wenn du schon einmal einen Menschen verloren hast, kann dich ein neuer Todesfall aus der Bahn werfen. Manchmal brechen dabei alte Wunden auf und du verstehst dich selbst und deine Gefühle nicht mehr. Das ist in Ordnung. Du musst deine Trauer nicht mit früheren Erfahrungen vergleichen.
In meiner Arbeit als Trauerbegleiterin gebe ich meinen Klient:innen einen Raum, in dem sie offen über ihre Gefühle sprechen können. Gemeinsam schauen wir, was ihnen in ihrer jeweiligen Situation helfen kann. Gute Erfahrungen mache ich dabei auch mit Reiki. Eine Klientin kam kurz nach dem Verlust eines Geschwisters zu mir. Nach der ersten Sitzung erzählte sie, ihr Herzrasen habe nachgelassen und sie spüre wieder mehr Ruhe in ihrem Körper. Körperliche Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Reiki kann die Begleitung ergänzen.
Neben der Trauer gibt es in dieser Zeit oft vieles zu regeln und zu organisieren. Vielleicht fehlt dir gerade die Kraft, dich auch noch um all die praktischen Dinge zu kümmern.
Für diese erste Zeit habe ich meine Orientierungshilfe nach dem Todesfall geschrieben. Sie gibt dir Schritt für Schritt einen Überblick darüber, was in den ersten Tagen wichtig ist und was warten darf. Dazu findest du kleine Impulse, wie du gut für dich sorgen kannst. Halt für Kopf und Herz, in deinem Tempo.
Wenn du magst, kannst du dich unter sandramaechler.ch/orientierungshilfe eintragen. Du erhältst die Orientierungshilfe anschliessend per E-Mail.
Ich wünsche dir einen Tag, an dem alles Platz hat, was da ist.
Fragen und Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen, Allerseelen und dem Tag der Toten?
Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November) sind vor allem in katholisch geprägten Ländern mit Friedhofsbesuchen, Kerzen und stillem Gedenken verbunden. In Mexiko feiern Familien am 1. und 2. November den Día de los Muertos mit farbenfrohen Altären, Blumen, Musik und den Lieblingsspeisen ihrer Verstorbenen. Im Kern geht es bei allen darum, den Menschen, die nicht mehr bei uns sind, einen Platz in unserem Leben und unseren Erinnerungen zu geben.
Wie kann ich an Allerheiligen an einen verstorbenen Menschen denken?
Du kannst den Tag so gestalten, wie es sich für dich richtig anfühlt. Vielleicht besuchst du das Grab, zündest eine Kerze an, schaust dir Fotos an oder erinnerst dich einfach in Gedanken an den Menschen. Manchmal reicht schon ein Gedanke an die verstorbene Person.
Ist es normal, wenn ich an Allerheiligen keine Trauer empfinde?
Ja. Trauer richtet sich nicht nach dem Kalender. Vielleicht verbringst du den Tag ganz normal mit deinem Alltag oder empfindest sogar Freude. Das bedeutet nicht, dass dir der verstorbene Mensch weniger bedeutet. Du musst kein schlechtes Gewissen haben.
Warum fällt mir Allerheiligen nach einem Todesfall besonders schwer?
Besondere Tage können Erinnerungen und Gefühle verstärken. Wenn der Verlust noch frisch ist, sind der Schmerz und die Veränderungen im Leben oft besonders präsent. Es darf Zeit brauchen, bis sich die Trauer verändert und neben dem Schmerz auch wieder mehr Raum für liebevolle Erinnerungen entsteht.
Was kann ich tun, wenn niemand mit mir über den verstorbenen Menschen sprechen möchte?
Deine Erinnerungen dürfen ihren Platz haben, auch wenn du sie zunächst allein trägst. Wenn dich diese Einsamkeit auf Dauer belastet, kann es hilfreich sein, jemanden zu suchen, der dir zuhört und mit dir über den verstorbenen Menschen spricht.
Kann ich mir auch nach längerer Zeit noch Unterstützung bei meiner Trauer holen?
Ja. Trauer hat keinen festen Zeitplan. Auch ein neuer Verlust kann alte Wunden aufreissen und Gefühle aus früheren Trauerzeiten wieder hervorholen. In einer Trauerbegleitung findest du einen geschützten Raum, um über das zu sprechen, was dich bewegt, und gemeinsam herauszufinden, was dir gerade helfen kann.

Über die Autorin: Sandra Maechler ist selbstständige Trauerbegleiterin mit 16 Jahren Coaching-Erfahrung in Krisen- und Übergangsphasen. Sie begleitet Menschen nach dem Verlust eines Partners, eines Elternteils, eines Freundes oder eines Kindes. Dabei arbeitet sie mit Gesprächsbegleitung, Hypnose und Reiki und das in Adliswil/Zürich und auch online. sandramaechler.ch